Reiseinformationen - Kultur
Die Kunst des Reisens

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Urlaubsreisen wirken sich überwiegend positiv auf das persönliche Gesundheitsempfinden aus, sie scheinen auch zu einer geringeren Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen zu führen. Das zeigt eine Studie des Tropeninstitutes Hamburg bei Versicherten einer Krankenkasse (Fleck, 2003, s.u.). Aus medizinischer Sicht ist das nicht weiter verwunderlich, da der jährliche Urlaub das Risiko für koronare Herzerkrankungen offenbar senkt (Gump, 2000). Urlaub und Reisen sind also gut für die Gesundheit.
Dennoch gerät, worauf man sich lange gefreut hat, manchmal zum Stress: die freien Tage, das Wochenende, der Urlaub.
Statt die Erholungszeit zu genießen, klagen viele Menschen gerade dann und meist zu Beginn über Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, wenig Energie oder Anzeichen von Erkältungen. Häufig hängen solche Probleme zusammen mit sehr starker Arbeitsbelastung, die abrupt unterbrochen wird, mit hohem Kaffee- und Alkoholkonsum und persönlichen Eigenschaften wie Perfektionismus oder sehr starkes Verantwortungsgefühl (Vingerhoets, 2002).
Wer sich, aus dem vollen Arbeitsstress kommend, plötzlich am leeren Strand wiederfindet, kennt dieses Phänomen. Eine neue Krankheit (sogenannte "leisure sickness") ist das allerdings nicht: Medikamente und medizinische Dienstleistungen können hierbei nichts ursächlich bewirken.
Der Stress einer überstürzten Anreise und die Unterschätzung von Klima-, Zeit- und Ortsumstellung können aber durchaus zu Krankheit führen, selbst am Wattenmeer (Klewer, 1996): Krankenhausaufenthalte bei Touristen in Ostfriesland waren überwiegend mit der Verschlimmerung chronischer Erkrankungen verbunden, häufig bei älteren Erholungssuchenden. Krankheiten traten am häufigsten in den ersten Urlaubstagen auf, direkt nach langer Anreise, meist mit dem eigenen Wagen. Auch nach einer neueren Studie scheinen Autofahrer besonders gefährdet zu sein (Kop, 2003): Einen Herzinfarkt im Urlaub erlitten häufiger Reisende (meist in den ersten zwei Ferientagen), die mit dem Auto unterwegs waren, als Personen, die mit anderen Verkehrsmitteln an ihren Zielort gelangten.
Urlaubszeit ist oft auch Krisenzeit für Beziehungen oder Zeit für eine Neuorientierung. Im Alltag bleibt für Paare oft wenig Zeit für klärende Gespräche, und die Erwartungen an einen harmonischen Urlaub sind (vor allem mit Kindern) oft zu hoch.
Gesundheitsprobleme im Urlaub sind leicht vermeidbar:
- Zeit einplanen, damit Alltagsstress langsam abklingen kann.
- Hohe Erwartungen etwas herunterschrauben. Sich schon vor dem Urlaub klar werden, was jeder tun möchte, und (unterschiedliche) Interessen und Wünsche aller Beteiligten achten.
- Sich auf den Urlaub einstellen und zu Gesundheitsfragen informieren.
- Sich nicht sofort in neuen "Freizeitstress" zu stürzen.
- Schon die Reise selbst als Teil der Erholung nutzen: Langsam und erholsam anreisen, mit vielen Pausen und ggf. auch Zwischenübernachtungen.
- Die ersten Tage "geschehen lassen" und genießen. Ausruhen, um sich neuen Gegebenheiten langsam anpassen können.
- Neugierig sein.
- Aktiv werden, wenn sich nach wenigen Tagen neue Kraft entwickelt.
Wenn uns eine Reise nicht bekommt, muss das nicht am Wetter, Hotelservice, Organisation oder "Land und Leuten" liegen. Reisen sei eine Kunst (de Button, 2002), wird oft behauptet. Erholsames Reisen führt zu Zufriedenheit. Umgekehrt reisen zufriedene Menschen erholsamer.
Literatur:
- Fleck S. et al: "Effects of Travelling on objective and perceived Health Status: A prospective Cohort Study" (2003) eingereicht bei EJPH: Epidemiologisches Bulletin des RKI
- Gump BB et. al: "Are vacations good for your health?" Psychosomatic Medicine 62:608-612. (2002)
- Vingerhoets AJ et al: "Leisure Sickness: A Pilotstudie on its prevalence, phenomenology, and background". Psychother Psychosom (2002) 71:311-317
- Klever J. et al: "Statt Urlaub am Wattenmeer Aufenthalt im Krankenhaus - Aspekte der Erkrankung im Urlaub". Rehabilitation 35 (1996) 179-182
- Kop WJ et al: "Risk factors for myocardial infarction during vacation travel". Psychosomatic Medicine, 65:396-401, 2003
- Striker J. J. et al: "Risk factors for psychological stress among international business travellers". Occup Environ Med 56(4): 245-52, 1999
- Liese B.: "Medical insurance claims associated with international business travel". Occup Environ Med 54(7): 499-503, 1997
- de Button A., Fischer S.: "Die Kunst des Reisens", Frankfurt (2002). Originaltitel: "The Art of Travel", Hamish Hamilton, London 2002
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RMZ, SH, 27.07.2012