Reiseinformationen - Eradikationsprogramme (Pocken) 1/6


Eradikation – die Ausrottung von Krankheiten

Teil 1 von 6

Bildquelle: BNI

Einführung
Während dem Menschen mittels Jagd, Vernichtung von Lebensräumen oder Einschleppung fremder Spezies mühelos die Ausrottung von Tierarten (Extinction) gelingt, tut sich die moderne Medizin mit der Ausrottung der Erreger einzelner Infektionskrankheiten (Eradikation) deutlich schwerer.

Das bisher Unvorstellbare, eine Krankheit tatsächlich vom Erdboden verschwinden zu lassen, gelang zumindest ein einziges Mal, nämlich als Ergebnis eines konsequenten Pockenimpfprogrammes der Weltgesundheitsorganisation (WHO). So konnte die WHO die Welt 1980 für pockenfrei erklären. Natürlich wurden hierdurch große Hoffnungen geweckt. Das Ziel, zahlreiche Infektionskrankheiten durch großangelegte Eradikationsprogramme beseitigen zu können, erschien plötzlich nicht mehr als reine Utopie. Was bei den Pocken möglich war, müsste sich also auch in Impfprogrammen gegen andere Krankheiten erreichen lassen. Heute wissen wir, dass dieser Optimismus nicht gerechtfertigt war. Das ambitionierte Programm zur Ausrottung der Kinderlähmung (Polio) ist ins Stocken geraten und musste zahlreiche Rückschläge erleiden, Gesundheitsexperten sprechen inzwischen von einem verlorenen Jahrzehnt im Kampf gegen Polio.

Die Eradikation der Pocken war nur möglich durch zahlreiche glückliche Begleitumstände, aber nicht zuletzt auch durch gutes Management im Makro- wie im Mikromaßstab. Die Faktoren zu analysieren, die ein Gelingen des Impfprogrammes möglich machten, lässt Rückschlüsse zu, wie sich aktuelle Impfprogramme optimieren ließen, bzw. beugt unrealistischen Erwartungen vor. Heutzutage wird neben dem Aspekt der Eradikation, also der völligen Ausrottung einer Erkrankung vor allem der Aspekt der Kontrolle betont. Zahlreiche Erkrankungen lassen sich nicht oder nur sehr schwer eradizieren, aber durchaus wirkungsvoll kontrollieren.

Zwischen Eradikation und Kontrolle ist die „Elimination“ angesiedelt, also das weitgehende Verschwinden der Erkrankung, ohne dass der Erreger vollständig beseitigt wäre. Anders als bei der Eradikation bleiben bei der Elimination langfristige Kontroll- und Impfmaßnahmen erforderlich, um den status quo aufrecht zu erhalten. Der völlige Verzicht auf weitere Impfprogramme erscheint nur in den seltensten Fällen ratsam.

Tabelle: Stärken und Schwächen einzelner Eradikationsprogramme

  Pocken Polio Masern Lepra
wirksamer Impfstoff ++++ +++ +++

++  (Medikamente)

+    (BCG-Impfung)

Keine Zoonose (kein Tier-Reservoir)

++++

++++ ++++ +++
Kein Vorkommen in Umwelt ++++ + ++++ +++
Hoher Manifestationsindex ++++ + +++ ++
Keine chronische Infektion ++++ ++++ ++++ +
Einfache Diagnosestellung ++++ ++ ++ ++
Internationale Entscheidungsfindung ++++ +++ + +++
Politische Durchsetzung ++++ +++ +

+++

Operative Umsetzung ++++ ++ + +++
Abschließende Maßnahmen ++++ +++ - ++


Beispiel Pocken

Welche Eigenschaften muss ein Impfstoff haben, um ein wirksames Instrument in der Ausrottung einer Krankheit zu sein? Diese Frage lässt sich recht gut anhand des Pockenimpfstoffes beantworten.

Der Pockenimpfstoff:

Der Pockenerreger (Variolavirus) eignet sich aus den folgenden Gründen sehr gut für die Eradikation:

Einfache Diagnosestellung

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MG, HEF, 13.08.2012



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