Fachinformationen - Berufliches Reisen
Berufliches Reisen: "Weltweit gelassen handeln!"
Reisen aus beruflichen Gründen sind mit Chancen verbunden:
- Die Zwänge des Alltagtrotts werden unterbrochen
- Neue Horizonte eröffnen sich und führen zu neuen Erfahrungen
- Sprach- und Kulturkenntnisse werden vertieft
- Der Handlungsrahmen wird erweitert
- Reisen bedeutet Wertschätzung durch das Unternehmen
Die Zufriedenheit im Beruf hängt von den Arbeitsbedingungen ab und dabei insbesondere von der Art wie Belastungen durch eigene Kontroll- und Handlungsmöglichkeiten und durch soziale Unterstützung ausbalanciert werden (Rusli, 2008). Im allgemeinen Berufsleben gelingt das offenbar zunehmend weniger, und belastungsassoziierte, psychische Erkrankungen führen immer häufiger zu Krankschreibungen (Holmgren, 2009; Woo, 2008).
Dienstreisen bringen auch deutliche Belastungen mit sich (Lei, 2004):
- Die durchschnittliche Vorbereitungszeit bei Geschäftsreisen beträgt drei bis fünf Tage. Häufig ist bei Kurzaufenthalten auch ein Leben in weitgehend „europäischen“ Verhältnissen möglich. Kurze Reiseintervalle und häufige Zeitzonenwechsel bringen Stress, Belastung und Krankheitsanfälligkeit.
- Die Anforderung von Krankenversicherungsleistungen lag in einer Studie der Weltbank (Liese, 1997) bei reisenden Männern um 80% und bei Frauen um 18% höher als bei nicht-reisenden Kolleginnen und Kollegen. Am deutlichsten war der Unterschied zwischen Reisenden und Nichtreisenden bei psychologischen und psychiatrischen Gesundheitsstörungen. Als Faktoren, die bei der höheren Krankheitsbelastung eine Rolle spielen könnten, wurden u.a. häufiges Reisen, Stress (hohe Belastung bei geringer eigener Steuerungsmöglichkeit), Rhythmusstörungen durch Zeitverschiebungen und Arbeitsüberlastung genannt. Kritisch sind die Phasen der Abreise und Ankunft, insbesondere bei Vielreisenden, während längere Aufenthalte von Expatriates und Reiseerfahrung stabilisierend wirken. (Tsutsumi, 2005)
- Mehr als ein Drittel der befragten Reisenden einer Folgestudie der Weltbank beklagten sich über hohen bis sehr hohen Reisestress, wobei Trennung von Familie und Arbeitsplatz, Arbeitsbelastung und Sorge um Gesundheit im Vordergrund standen (Striker, 1999). Zusätzlich wurden Belastungen durch Stress unmittelbar nach Dienstreise beklagt. Zeitverschiebungen stellten sich nicht als wesentlicher Stressfaktor heraus. Es wurde aufgrund dieser Studie angeraten, einen Tag Entspannung nach der Dienstreise zuzulassen.
- Lange und häufige Abwesenheitszeiten belasten zudem Ehepartner und kleine Kinder. Diese Tatsache trägt wiederum erheblich zum Stress beruflich Reisender bei (Espino, 2002). Stress assoziierte Störungen (Angst, Depression, Sexualstörungen) finden sich bei den Partner/innen von Dienstreisenden 16-18% häufiger als bei Parter/innen von Angestellten, die nicht reisen (Dimberg, 2002).
- Dienstreisende sind oft intensiver mit einer anderen Kultur konfrontiert als Touristen. Fremdes verunsichert nicht nur durch die Unklarheit, wie andere handeln mögen, sondern auch durch die Infragestellung der tiefen eigenen Werte und Vorstellungen (Stewart, 1998).
- Ergänzende Informationen: s.u.
Konsequenzen für das Reisemanagement
Im Interesse des Unternehmens beinhaltet Reise- auch Stress-und Verhaltensmanagement:
- Ziele des Unternehmens
- Gesunde Reisende arbeiten effizienter für das Unternehmen und
- haben weniger Ausfallzeiten nach der Rückkehr.
- Ziele des Reisenden
- Coaching kann helfen individuelle Ziele zu definieren. Es bedeutet professionelle Begleitung der beruflichen und persönlichen Entwicklung des Berufsreisenden.
- Für Manager, die sich wie Fische in der Dynamik des globalen Business zu bewegen sollen, ist es unverzichtbar.
- Zeitmanagement:
- Raum für Vorbereitung
- Anreise ohne Hektik
- Echte Pausen während der Reise einplanen und einhalten
- Abendessen oder Wochenendausflüge mit Geschäftspartnern sind meist ein wichtiger Teil des Jobs und keinesfalls Erholung.
- Einen Tag Urlaub von Laptop und von Gedanken über den Beruf ist notwendig, um neue Kreativität und Innovationsfähigkeit zu entwickeln.
- Stressabbau und Wellness
- Akklimatisation nach der Rückreise
- mindestens einen Tag Ruhe!
- Erholungszeit mit der Familie nach der Rückreise
- Frauenspezifische Reiseplanung
- Planung des Umgangs mit ortstypischen Risiken
- Interkulturelles Management und Kommunikation
- Das Verstehen des Anderen als "Objekt" führt zu Scheinsicherheit, die leicht gefährdet werden kann.
- Wirksamer sind Trainings, die die eigene Person und ihre Reaktionsfähigkeit in das Zentrum der Aufmerksamkeit stellen, damit in neuen Situationen eine neue flexible innere Einstellung gewonnen werden kann.
- Kontextwechsel (Persönliche Berichte)
- Psychose
- Stress- und Gesundheitsmanagement
- Flexibilität kann auch unter hohen Belastungen erhalten bleiben, ohne dass darunter die Struktur leidet
- Umgang mit Stress ist lernbar, am einfachsten durch körperlich wirksame Methoden, die die Wahrnehmungsfähigkeit verbessern und helfen, eine innere und äußere Balance zu finden (Alexandertechnik, Feldenkrais, Yoga, Qigong, Taiji, u.a.).
- Menschen blieben in verschiedenen Untersuchungen auch unter starken Belastungen gesund (Antonowsky, Frankl), wenn sie die Zusammenhänge der Belastung verstanden, die Situation als handhabbar empfanden und in der Belastung einen Sinn sahen. Häufig ist es die Einstellung, die dafür sorgt, dass Flexibilität und Struktur bei den unausweichlich entstehenden Belastungen und Konflikte erhalten bleiben. Gesundheit ist kein Ziel, sondern die Folge optimalen Managements, das gilt für das Selbst ebenso wie für ein Unternehmen.
- Stressabbau und Wellness
- Stressreaktion und Bewegungskrankheit (Vagusreaktion)
- Thrombose (Kuipers, 2007)
Quellen:
- Dimberg LA et al: Mental health insurance claims among spouses of frequent business travellers, Occup Environ Med 2002, 59:175-181
- Holmgren K et al: The prevalence of work related stress, and its association with self-perceived health and sick-leave, in a population of employed Swedish women, BMC Public Health 2009, 9:73 doi:101186/1471-2458-9-73
- Espino CM et al.: International business travel: impact on families and travellers; Occup Environ Med 2002; 59:309-322
- Kjellstrom T et al: Urban environmental health hazards and health equity, Journal of Urban Health, 84(1):i86-i97
- Kuipers S et al: The absolute risk of venous thrombosis after air travel: a cohort study of 8755 employees of international organisations PLOS Medicine, 2007, 4(9), 1508-14
- Lei L et al: Stress in expatriates, Occup Environ Med 2004; 4:221-229
- Liese B. et al: Medical insurance claims associated with international business travel, Occup Environ Med 1997; 54:499-503
- Rusli BN et al: Working conditions, self reported stress, anxiety, depression and quality of life, BMC Public Health 2008, 8:48, doi:10.1186/1471-2458-8-48
- Stewart L: Culture Shock and Travelers, J Travel med 1998, 5:84-88
- Striker J. et al.: Risk factors for psychological stress among international business travellers, Occup Environ Med 1999; 56:245-252
- Tsutsumi A et al: Long-term influence of working abroad on returnees' mental health, JRSH 2005, 125(6):281-286
- Woo J-M: The impact of work environment on mood disorders and suicide, Int J Disabil Hum Dev, 2008, 7(2):185-200
HEF, MG, 03.04.2009