Fachinformationen - A: Grundlagen


Grundlagen und Definitionen

Angst: Ist eine natürliche und nützliche Reaktion, die Unsicherheit und mögliche Bedrohung signalisiert. In der Folge wird die Fähigkeit zu entspannter Kommunikation abgebrochen und der Organismus für Kampf oder Flucht bereit gemacht. Wird die Angst zu groß, führt sie zu Lähmung oder Erstarrung. Sehr starke, in sich ruhende Persönlichkeiten entdecken in Angstsignalen etwas Neues, Unbekanntes, das erkundet werden kann. Meist führt jedoch Angst zu Stress, einem Alarmzustand, der bei fehlender Entspannung, eine der wesentlichen Ursachen körperlicher und psychischer Krankheitsentwicklung darstellt (siehe Stress).

Angst und Unsicherheitsgefühle werden gelöst durch
Entspannung ist ein immer wieder genanntes, vordergründig aber sehr missverständliches Ziel von Wellness, denn die weitere Entspannung eines schlaff-hängenden Gummibandes bringt keinen Nutzen. Gemeint ist, dass im Alltag bestimmte Funktion der Muskulatur oder des Hirns in eine Dauer- und Überaktivierung geraten und sich diese Verkrampfung lösen kann. Erholung entsteht, wenn zur Entspannung (dem ersten Schritt) innere und äußere Wahrnehmung (Erleben) und Aktivierung hinzukommen.
 
Flow: Eine (maximale) Belastung des Körpers und der Psyche, die als angenehm empfunden wird. Bei Flow besteht ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens. Beruhigende und aktivierende Funktionen des autonomen Nervenssystems sind gleichzeitig aktiv. Ein besonders gesundes und schönes Flow-Gefühl entsteht in erotischer und vertrauter Sexualität.
 
Gesundheit: Ein vorübergehender und fließender Zustand eines Lebewesens. Als Ziel ungeeignet, da vollkommene Gesundheit nicht definiert werden kann. Gesunde Lebewesen verfügen über drei Eigenschaften

Hirn und Bewegung (Essentielles Verständnis im Zusammenhang von Wellness): Der Hirnstamm steuert Atmung und Herzschlag im Zusammenhang von Wohlbefinden, Sicherheitsgefühl oder Angst und Bedrohung. Die Beruhigung des Hirnstammes und Wiederherstellung seiner rhythmischen Funktion ist ein wesentliches Ziel jeder Art von Gesundheitsbeeinflussung. Das Mittelhirn spielt eine zentrale Rolle für das Bewusstsein, das als Abgleich und zugleich emotionale Bewertung von inneren und äußeren Zustandsinformationen aufgefasst werden kann. Das Bewusstsein verarbeitet nur sieben Bildzusammenhänge gleichzeitig und hinkt um 0,5 Sekunden hinter einer Bewegungsentscheidung hinterher. Es kann daher Willkürbewegungen unterbrechen, nicht aber initiieren, dies geschieht vielmehr „unbewusst“, d.h. am Mittelhirn vorbei und damit sehr schnell. Das Großhirn kann als eine bei Geburt ziemlich leere Festplatte aufgefasst werden, die erlernte Programme als Netzwerke von Zellen speichert. Diese Programme können sehr schnell (unbewusst) ablaufen (vom Hirn zum Finger des Klavierspielers), auch tiefere Zentren (Angst) beruhigen und Grundlagen schaffen, um mit anderen zu kommunizieren. Muskeln sind direkt mit Nerven verwoben und setzen deren Impulse in die Tat um. Ein Muskel kann sich zusammenziehen, wieder locker lassen (dazu muss er meist durch andere Muskeln wieder aufgedehnt werden), auseinander gezogen werden und wieder zusammenschnurren, wenn man ihn dann loslässt. Loslassen nach Aufdehnung ist (z.B. beim Boxen) wesentlich wirksamer als zusammenziehen. Muskeln sind meist in Funktionsformen spiralig mit Bändern und Sehnen verwoben und verdreht.
 
Medical Wellness: Bezeichnet die weite Grauzone zwischen Wohlfühlprogrammen und Kur oder Rehabilitation zur Krankheitsbeeinflussung. Wellnessangebote und Heilbehandlungen sollten getrennt sein. Wer krank ist, benötigt ärztlichen Rat, Therapie oder eine Kur. Wenn unter dem Begriff Wellness "alternative" oder "unkonventionelle" Heilmethoden angeboten werden, verschwinden diese Grenzen. Wellness soll anregen und entspannende Erholung verschaffen. Eine Heilbehandlung dagegen wirkt gezielt auf ein bestehendes Problem, und dies ist zwangsläufig mit Nebenwirkungen verbunden. Die Anwendung von Heilmethoden erfordert ärztliche Fachkenntnisse. Bei Kuraufenthalten erfolgt daher die Anwendung von Wellness-Methoden nur unter ärztlicher Aufsicht. Eine Kur unterscheidet sich von Wellnessangeboten durch eine besonders fachlich qualifizierte Betreuung, die Erkrankte benötigen. Wellnessangebote im Rahmen einer Kur müssen in einen Behandlungsplan eingebunden sein.
 
Wellness: Wortschöpfung aus "well-being" und "fit-ness". Methoden, die zum Wohlbefinden, Entspannung und Aktivierung beitragen (Dr. med. Halbert Dunn, USA, 1961). Wellbeing bedeutet sich wohlbefinden, sich wohlfühlen. Als Begriff definierte 1948 von der Weltgesundheitsorganisation: "Gesundheit ist der Zustand eines vollkommenen körperlichen, seelisch-geistigen und sozialen Wohlbefindens". Fitness war ein Motto für den Sport-Trend der USA, das vom Deutschen Sportbund in der "Trimm-Dich-Bewegung" übernommen wurde. Well-Fit ist lediglich ein Marketingbegriff ohne neue Aussage.
 
Methoden, die unter Wellness zusammengefasst werden, können prinzipiell folgende Möglichkeiten eröffnen:
Wellness-Methodenauswahl:
Reisen ist für die Gesunderhaltung und -wiederherstellung günstig, da es zu krankmachenden Situationen, Beziehungen oder Umwelteinflüssen Distanz schafft. Reisen kann Druck und Spannung lösen, zu neuen Einsichten, Flexibilität und vielleicht auch innerer Stabilität verhelfen.
 
Rhythmus: Die Steuerung der Lebensfunktionen erfolgt über eine Vielzahl miteinander verwobener Rhythmen, die sich chaotisch überlagern, dämpfen oder anregen. Beispiel: Atmung, Herzschlag, Schlafperioden, Verdauung, ... Ziel von Wellnessmethoden ist die Harmonisierung dieser Rhythmen, die möglicherweise disharmonisch und gestört sind. Höhere Hirnfunktionen können keinen Rhythmus erzeugen, sondern nur Raum und Zeit geben, um ihn zu ermöglichen. Zulassen (von Ruhe und Geduld) und Loslassen (unnötiger Verspannung) sind daher wesentlich zur Einregulierung von Rhythmen. Bewusste Atmung führt leicht zur Verkrampfung, da der Rhythmus „tiefer“ als das Bewusstsein (im Stammhirn) entsteht. Bewusst ist es jedoch möglich einen Rhythmus („Hecheln“ in Angst) zu unterbrechen (Pause) oder eine neue Taktung vorzugeben („Langsamer“, „Schneller“), durch geregelte Bewegungsfolgen.
 
Stress und Belastungen: Natürliche körperliche, hormonelle, psychische Reaktionsform, die den Organismus auf die Bewältigung einer schwierigen Situation einstellt (so genannter Kampf- oder Fluchtmodus) (siehe auch Angst). Stresshormone stellen für diese Reaktionen den Muskeln Zucker zur Verfügung, sie aktivieren den Kreislauf, aber sie dämpfen das Immunsystem und die Aktivität der Verdauungsorgane. Belastungen und Bewegung sind notwendig für körperliche Fitness. Unterforderung und mangelndes Training machen schlapp und anfällig. Bei Langeweile kommt Handlungsbereitschaft nicht zum Einsatz und damit bauen sich Aggressionspotentiale auf. Gesunde Belastungen werden langsam gesteigert, dauern nicht zu lange, können bewältigt werden und sind gefolgt von Erholungsphasen. Die Überschreitung von Belastungsgrenzen, zu plötzlicher oder zu intensiver Druck bewirken Unfälle oder Krankheit, zum Beispiel beim Sport in den ersten drei Urlaubstagen, wenn wir uns in Selbstüberschätzung zu große Leistungen zumuten. Im Alltag stehen wir oft unter Dauer-Stress (so genanntem "Strain"). Damit ist Anspannung, Frustration oder Aggression gemeint, die körperlich nicht abreagiert werden kann. Übersteigt dieser Daueralarmzustand die Grenze der Elastizität, entstehen Verstimmung, Krankheiten oder Suchtverhalten. Oft treten aber gerade dann Probleme auf, wenn eine sehr starke Belastung (und damit die Wirkung der Stress-Hormone) schlagartig wegfällt. Das erklärt Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Energielosigkeit oder auch zahlreiche harmlose oder weniger harmlose Erkrankungen bei Personen, die sich aus einem 12-Stunden-Arbeitstag unvermittelt an einem leeren Strand wieder finden.
 
Zufriedenheit ist ein (im Gegensatz zu Gesundheit oder Glück) vollständig erreichbares Ziel. Es heißt im Wesentlichen, das erwünschen und ersehnen, was gerade da ist. Glück, verstanden als Hochgefühl, ist dagegen ein sehr zweifelhaftes Ziel: Der Ausschüttung von Glückshormonen folgt oft das anschließende Tief und Sportarten, die auf den Kick aus sind, sind nicht selten gesundheitsverschleissend. Ständig glücklich sein zu wollen ist anstrengend. Weniger Energie verbrauchend ist es, damit aufzuhören, sich selbst unglücklich zu machen, indem ständig etwas gewünscht wird, was nicht da ist. Wellness kann dabei helfen das Genießen wiederzuentdecken. Das erfordert Zeit und Ruhe, um den Sinnen Raum zu geben. Gutes Essen, Erotik und Sexualität, Natur erleben, entspannt zusammen zu sein: Alles was gut tut, ist auch gut.

 

RMZ, 05.02.2009



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