Fachinformationen - Japan Enzephalitis-Impfung


Japanische Enzephalitis: Erkrankung, Impfung und Risikoeinschätzung für Reisende
 
Die Erkrankung
Die Japanische Enzephalitis ist eine durch Mücken übertragene Virusinfektion. Sie ist in ländlichen Gebieten Süd- und Ostasiens, z.B. in China, Indien, Indonesien, Kambodscha, Laos, Myanmar (Burma), Nepal, Philippinen, Sri Lanka, Thailand, Vietnam verbreitet.

Die Infektion kann meist durch nachtaktive Mücken (überwiegend Culiciden) übertragen werden; normalerweise sind weniger als 1-3% der Mücken infiziert. Reservoir für das Virus sind vor allem Schweine und Vögel. Die Flugstrecke der Insekten ist kurz. Von der Erkrankung betroffen sind in erster Linie ländliche Bevölkerungsgruppen, die unter sehr einfachen Bedingungen und in engem Kontakt mit Haustieren leben.
Die ersten Krankheitszeichen (Fieber, Erbrechen und Kopfschmerzen) treten in der Regel nach einer Inkubationszeit von 5 -15 Tagen auf. Die meisten Infektionen (99.5%) verlaufen ohne Symptome. Bei Kleinkindern und älteren Menschen werden auch schwere Verläufe beobachtet. Infektion der Hirnhäute und des Gehirns führen zu Lähmungen, Reflexstörungen und fortschreitender Bewusstseinseintrübung. Zwischen 10-20% der erkrankten Personen versterben und etwa 75% erleiden neurologische Dauerschäden.

In den Gebieten mit Vorkommen der Japanischer Enzephalitis erkranken insgesamt etwa 50.000 Einheimische pro Jahr.
 
Da andere Erkrankungen ähnlich verlaufen können, wie z.B. Vergiftungen von Kindern mit Cassia-Samen, sind die Meldezahlen in Regionen mit schlechter Gesundheitsversorgung oft wenig aussagekräftig. Im Falle der Enzephalitis-Ausbrüche im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh könnte ein nennenswerter Anteil der Erkrankungen durch Enteroviren, zum Beispiel Coxsackievirus B5 und Echovirus 19, bedingt sein. (Kumar 2011)
 
Das Risiko für Reisende
Das Risiko für Reisende ist sehr gering. Ein erhöhtes Risiko bestünde für Reisende oder Entwicklungshelfer, die unter sehr einfachen Verhältnissen leben. Unter dem Suchbegriff „Japanese Encephalitis“ finden sich bei den in der amerikanischen Nationalbibliothek gelisteten Datenbanken (Pubmed) in den Jahren 1937 bis (04. März) 2009 insgesamt 3.962 Veröffentlichungen. In Kombination mit den Begriffen „tourist“ oder „traveler“ fanden sich über den gesamten Zeitraum von über 70 Jahren nur vier Beschreibungen von klinischen Erkrankungsfällen bei westlichen Touristen. Die Zahl der Asienreisenden im Jahr 2003 lag nach Angaben der Welttourismusorganisation WTO bei über 100 Mio., während die großen medizinischen Informationssysteme ProMED (www.promedmail.org) und Pubmed in diesem Jahr keinen einzigen Fall einer Erkrankung bei einem Touristen anzeigten. In der Zeit von 1996 bis 2006 listete ProMED vier Erkrankungsfälle bei westlichen Asientouristen auf. Für den Fall, dass von 50 bis 100 Mio. Asienreisenden pro Jahr ausgegangen wird, liegt die Zahl der Reisenden für den Zeitraum 1996-2006 im Bereich von 500 Mio. bis eine Mrd. Dies hieße, dass weniger als ein klinischer Erkrankungsfall auf 100 bis 200 Mio. Reisende käme. Da die Japanische Enzephalitis eine Inkubationszeit von selten mehr als 16 Tagen hat, könnte auch im Fall von Erkrankungen bei Asiaten ein Zusammenhang mit der Reiseaktivität hergestellt werden, der sich so in der wissenschaftlichen Literatur jedoch nicht findet. In den USA wurden zwischen 1998-2008 vier importierte Erkrankungsfälle festgestellt, die zwischen 2003-2008 ausschließlich bei asiatischen Immigranten aufgetreten waren und ausheilten.
Eine neuere Übersichtsarbeit kommt nach akribischer Literatursuche der Autoren auf 53 Erkrankungsfälle zwischen 1973 und 2008 (davon 38 labordiagnostisch bestätigt, insgesamt mindestens 10 Todesfälle). Es handelte sich um Touristen, Familien-Besucher, Auswanderer und  Soldaten. Dies entspräche weniger als einem Krankheitsfall auf eine Millionen Südasienreisen. (Hills 2010)
 
Wie können sich Reisende schützen?
In allen Regionen in denen Japan Enzephalitis vorkommt, übertragen Mücken auch andere, häufigere Infektionen, z.B. die tagaktive Aedesmücke Denguefieber und die nachtaktive Anophelesmücke Malaria. Reisende sollten deshalb grundsätzlich auf Mückenschutz achten und nachts unter einem kleinmaschigen, imprägnierten Moskitonetz schlafen und tagsüber bedeckender Kleidung tragen und freie Hautflächen mit wirksamen Repellentien einreiben (u.a. DEET, Icaridin, pflanzliche Öle). Generell müssen alle fieberhaften Erkrankungen in tropischen und subtropischen Regionen zu einem Arztbesuch führen.
 
Die Impfung
Gegen Japanische Enzephalitis stehen aktive Schutzimpfungen zur Verfügung:

Abwägung zu Nutzen und Risiken der Impfung
Die Impfung wird ggf. für länger dauernde Reisen (ab vier Wochen) während der Monate mit hohen Mückenpopulationen (Monsunzeit) empfohlen, wenn Aufenthalte in ländlichen Gebieten (Reisfelder, Schweinezucht) mit einfachen Lebensbedingungen geplant sind.

In vielen Gebieten Asiens bestehen zwar auch in städtischer Umgebung günstige Bedingungen für die Virus-Übertragung. Das Risiko bei üblichen touristischen Reisen sowie bei einem Aufenthalt in den Städten ist aber bei gutem Mückenschutz sehr gering.

Wird das Risiko eines Asienreisenden an klinischer Japanischer Enzephalitis zu erkranken auf 1: 100 Mio. veranschlagt (s.o.) oder gemäß Hills und Kollegen (die auch Risikoreisende, Soldaten, Expatriates sowie labordiagnostisch nicht bestätigte Erkrankungen berücksichtigten) zumindest auf < 1: 1 Mio., so wäre es eher unwahrscheinlich, dass auch ein gut wirksamer und gut verträglicher Impfstoff bei Aufenthalten bis 4 Wochen in touristisch erschlossenen Regionen mehr nützt als schadet. Auch bei gut verträglichen Impfstoffen müsste im Falle von 1-100 Mio. Geimpften mit einigen schwerwiegenden Nebenwirkungen gerechnet werden.
 

Fazit
Japanische Enzephalitis stellt in Südasien ein wichtiges Gesundheitsproblem für die im ländlichen Raum lebende Bevölkerung dar. Die Einführung eines nebenwirkungsärmeren Impfstoffes wäre in diesen Regionen sehr begrüßenswert. Bei Reisenden gehen Impfempfehlungen sorgfältige Nutzen- und Risiko-Abwägungen voran. Ein Grund zur Impfung wird daher eher selten bestehen. Für eine Impfung sprechen ggf. ein Reisestil wie Trekking und sehr einfache Art der Unterbringung (Übernachtung in der Nähe von Reisfeldern), eine längere Reisedauer (ab 4-5 Wochen), regelmäßige Südasienreisen oder aktuelle Ausbruchsereignisse in der Reiseregion.

 

Weitere Information

Literatur

 

MG, HEF, 15.11.2013



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